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       pan03Panaorama Gesamtchor

 

Liebe Verbands- und Vereinsverantwortliche im BDB,

liebe Musikerinnen und Musiker,

in den letzten Tagen erhielten Sie ein Empfehlungsschreiben des BDB zur aktuellen Corona-Situation. Auf dieses Schreiben erreichten uns verschiedene Rückfragen, die wir hiermit etwas ausführlicher erläutern möchten. 

Für unsere Musikvereine sind die letzten Wochen äußerst schwierig und existenziell bedrohlich. Einerseits mussten sehr viele Konzerte und Veranstaltungen abgesagt werden, andererseits ist der Probebetrieb komplett eingestellt. Wir alle möchten selbstverständlich so schnell wie möglich wieder in den Alltag zurück und möglichst bald wieder in gewohnter Form musizieren.

Mir persönlich ist bewusst, dass die derzeitigen Entscheidungen zur Eindämmung der Corona-Pandemie enorme Härten und auch Ungerechtigkeiten mit sich bringen. Auch ist uns klar, dass die Entscheidungen, die im politischen Raum derzeit getroffen werden, nicht immer zu 100% jedes Detail auch der vereinsinternen Notwendigkeiten erfassen. Es gibt für eine derartige Lage keine Blaupause. Wir sind daher auch auf Rückmeldungen, wie Sie sie uns geben, angewiesen, um die Programme und die Maßnahmen nachsteuern und anpassen zu können. 

Das Ziel aller Entscheidungen ist aktuell der umfassende Gesundheitsschutz für die Bevölkerung - dies betrifft nicht nur ausschließlich diejenigen Menschen, die sich mit dem Virus infiziert haben. Es geht uns auch darum, unser Gesundheitssystem nicht zu überlasten, denn es ist uns auch klar, dass ein Mensch mit einer ernsthaften Erkrankung wie z.B. einem Herzinfarkt, ebenso eine medizinische Intensivbehandlung benötigt, wie ein Corona-Patient. Einen Infarkt-Patienten z.B. an der Uni Klinik abzuweisen und in eine andere Klinik zu transportieren, weil die Intensivbetten belegt sind, bedeutet in diesem Fall den Tod!

Auf unser Schreiben erreichen uns beispielsweise folgende Rückfragen, die wir mit einigen Antworten an Sie weiterleiten:

Dürfen wir am 1. Mai in einem Privatgarten mit fünf Personen musizieren?

Aktuell darf man im öffentlichen Raum nur alleine, mit einer weiteren nicht im Haushalt lebenden Person oder im Kreis der Angehörigen des eigenen Haushalts unterwegs sein. Ansammlungen im nichtöffentlichen Raum (insbesondere in Wohnungen) mit mehr als fünf Personen bleiben grundsätzlich verboten. Ausgenommen sind unter anderem in gerader Linie Verwandte.

Was rät der BDB?

Der BDB regt an, den 1. Mai in neuer Form mit Einzelspielern und/oder entferntem Duopartner/in zu bespielen und die Bevölkerung musikalisch zu bereichern.

Das 1. Mai-Wecken ist eine traditionelle und wunderbare kulturelle Veranstaltung und wird in der Bevölkerung sehr geschätzt. Ob eine Gruppe bis zu 5 Personen im privaten Bereich spielt, obliegt der Verantwortung des Vereins bzw. der Bläsergruppe und bedarf der Einhaltung von Landes- bzw. Kommunalverordnungen.

Der BDB rät dazu, insbesondere in der aktuellen Situation neue Formen zu suchen, um den 1. Mai in kreativer Form zu bespielen. Dies erhöht eventuell die Aufmerksamkeit und ermöglicht ein einzigartiges Erlebnis. Zeitgleich kann der Verein auf seine Not-Situation aufmerksam machen und eventuell zusätzliche Spenden generieren.

Beispiele:

  • Einzelspieler (dies können alle Instrumente sein / Schlagzeug: Glockenspiel u.a.) spielen an verschiedenen Plätzen im Ort individuell einige Mailieder oder sonstige schöne passende Lieder. 
  • Einzelspieler spielen sich Lieder zu und antworten als Echo. (strophenweise oder phrasenweise) Dies kann zu einer ganz besonderen Form führen.
  • Einzelspieler spielen von verschiedenen Türmen, Balkonen, Anhöhen – im Wechsel oder nach Zeitplan. Der Zeitplan könnte vorab veröffentlicht werden.
Warum rät der BDB, den Spielbetrieb bis zum 17. Mai einzustellen und nicht bis zum 3. Mai?

In Baden-Württemberg ändert sich bezüglich des Veranstaltungsverbots bis zum 3. Mai 2020 und sehr wahrscheinlich auch darüberhinaus zunächst nichts.

Sollten sich ab dem 3. Mai einige Rahmenbedingungen lockern, die insbesondere für die Musikvereine Auswirkung haben, so muss ein sanfter Beginn mit Bedacht und allen weiteren Vorkehrungen vorbereitet werden. Der BDB erarbeitet aktuell Handlungsempfehlungen, wie die Proben und Aufführungen zukünftig durchgeführt werden könnten und die Hygienemaßnahmen in den Proberäumen umgesetzt werden sollten. Diese Vorbereitungen benötigen auch in den Vereinen Zeit. Somit haben wir ab dem 3. Mai die Möglichkeit, für unsere Vereine und Verbände durchführbare und sinnvolle Rahmenbedingungen zu beschreiben und umzusetzen.

Wir raten davon ab, so schnell wie möglich zu agieren, sondern mit Bedacht und entsprechenden Vorkehrungen vorzugehen.

Was soll unser Verein in der Zwischenzeit tun?

In der aktuellen BDB-Blasmusikzeitschrift hat das BDB-Redaktionsteam eine Vielzahl an Möglichkeiten aufgezeigt, wie die spielfreie Zeit für weitere zukunftsweisende Themen sinnvoll genutzt werden kann. Bitte leiten Sie beiliegende PDF weiter und lesen Sie ab 1. Mai die neue blasmusik Zeitschrift und / oder das blasmusik E-Paper https://www.epaper.goldenwind-blasmusik.com

Einzelunterricht ist laut Coronaverordnung in BW erlaubt – Was rät der BDB?

Das Land Baden-Württemberg sieht in den aktuellen Auslegungshinweisen zur Coronaverordnung  vor, dass Musiklehrer im Einzelunterricht zugelassen sind.

https://www.baden-wuerttemberg.de/fileadmin/redaktion/m-wm/intern/Dateien_Downloads/Auslegungshinweise_zur_Corona-Verordnung.pdf

Der BDB plädiert dafür, den Unterricht mit dem Blasinstrument ausschließlich digital durchzuführen. Insbesondere bei der hohen Anzahl an Kindern und Jugendlichen in unseren Vereinen, die größere Infektionsgefahr bei den Bläsern als beim Akkordeon, der Violine oder der Gitarre sowie die in vielen Fällen nicht vorhandenen Unterrichtsräume, sollten wir auch hier mit Vorsicht und Bedacht vorgehen.

Das Durchführen von Einzelunterricht im Präsenzunterricht obliegt der Verantwortung der Lehrkräfte und der Familien. Wir raten jedoch zur digitalen Form. Es haben uns in den letzten Wochen sehr viele Lehrkräfte rückgemeldet, dass sie sehr gut mit der digitalen Form zurechtkommen. Diese ersetzt selbstverständlich niemals die persönliche Präsenzform.

Klar ist jedoch auch, dass durch den Einzelunterricht zusätzliche potenzielle Übertragungswege geöffnet werden, sei es durch Schmierinfektionen in den Proberäumen und an den Instrumenten oder auch durch die jeweiligen Lehrkräfte.  

Wir bedanken uns herzlich für Ihre Rückfragen, Ihr Verständnis und Ihr Mitwirken in dieser Zeit. Wir werden mit den nächsten Informationen versuchen, zusätzliche Handreichungen für die zukünftigen Monate zu entwickeln. Weitere Rückfragen sammeln wir und stehen gerne zur Verfügung.

Viele Grüße aus Staufen und bleiben Sie gesund!  

Ihr

Dr. Patrick Rapp MdL

BDB-Präsident