Geschichte des

Oberbadischen Blasmusikverbandes Breisgau e.V.

Der Oberbadische Blasmusikverband Breisgau ist mit dem Markgräfler Musikverband der älteste Blasmusikverband Deutsch­lands. Er wurde am 21. August 1892 in Buggingen gegründet. Elf Blasmu­sikkapellen waren an der Gründung beteiligt. Als Name wurde zunächst "Breisgau-Markgräfler Musikverband" gewählt. Ab 1900 wurde er in "Oberbadischer Musikver­einsver­band" umbenannt.

Zweck der Gründung war, das musikalische Niveau der badischen Kapellen zu he­ben. Über das Musizieren in Gesamtchören sollten Glanzpunkte bei Verbandsfesten geschaffen wer­den. Berühmte Kompositionen sollten hierbei das „Herz der Mitwir­kenden und Zuhörer" er­grei­fen. In musikalischen Wettspielen sollte schließlich ge­zeigt werden, wie es klingen soll und wie nicht. 

Hauptinitiator der Gründung war der 1. Posaunist des Freiburger Stadttheaterorchesters, Franz Meier. Dieser war Dirigent mehrerer Blasmusikkapellen, was die Verbandsgründung sicherlich erleichterte. Unterstützt wurde er vom Arzt Dr. Schelb aus Bad Krozingen, Sanitäts­rat Müller aus Kenzingen und den Herren Bartelmeß und Häberle aus Emmendingen. 

Schon 1893 fand in Pfaffenweiler das 1. Verbandsmusikfest statt. Weitere Feste folgten in ein- bis dreijährigen Abständen. Bis zum Beginn des 1.Weltkrieges konnte man elf Ver­bandsmusikfeste feiern. 

Dieser Krieg riss große Lücken in die Reihen der Musiker. Die Verbandstätigkeit konnte erst wieder aufgenommen werden, nachdem die einzelnen Vereine neu erst­arkt waren. 1921 konnte endlich in Ettenheim wieder ein Verbandsmusikfest gefeiert werden. Es erfolgte ein ra­santer Aufschwung. Viele Musikvereine wurden neu ge­gründet, schon bestehende Vereine traten dem Verband bei. Aus anfänglich elf wa­ren es inzwischen über 100 Mitgliedsvereine geworden. 

Schon vor der Jahrhundertwende hatten sich in Süddeutschland weitere Blasmusik­verbände gegründet. 1921 spaltete sich vom Oberbadischen Musikvereinsverband der Untere Mark­gräfler Musikvereinsverband ab. Um sich wirtschaftlich und den poli­tischen Instanzen ge­genüber behaupten zu können und um gemeinsam die Pflege der Blasmusik zu intensivieren, schlossen sich 1926 neun Verbände zunächst zu ei­ner Arbeitsgemeinschaft zusammen. Die Initiative hierzu ging vom Oberbadischen Musikvereinsverband aus. Der damalige Präsident Kilian Heitz schuf die Satzung des übergeordneten Verbandes, der 1928 den Namen „Bund Südwestdeutscher Musikvereine“ erhielt. Heitz wurde auch zum 1. Präsidenten dieses Bun­des gewählt. 

Das 40jährige Jubiläum des Verbandes wurde Pfingsten 1933 in Freiburg in Verbin­dung mit dem 1. Bundesmusikfest gefeiert. 240 Musikkapellen mit mehr als 3000 Musikern nah­men an den Preis- und Wettspielen und am Gesamtchor im Universi­tätsstadion teil. Bald darauf wurde die Blasmusik in die Propagandazwecke des Naziregimes einbe­zogen. Die Verbände wurden aufgelöst und die Vereine der Reichsmusikkammer in Berlin unter­stellt und zu Bezirksgauen zusammengefasst.

Nach dem 2. Weltkrieg dauerte es länger als nach dem 1. Weltkrieg, bis sich die Vereine und damit auch die Verbände neu konstituieren konnten. Am 10. Januar 1950 wurde der Verband als Oberbadischer Musikverband wiedergegründet. 1. Präsident war Jakob Blum aus Nim­burg. Zunächst gehörten dem Verband 58 Mu­sikvereine aus den Landkreisen Offenburg, Lahr, Emmendingen, Freiburg und Müll­heim an. Bei der ersten Generalversammlung im Jahre 1951 waren es bereits 109 Kapellen, die in 8 Bezirke eingeteilt waren. Damit war der Oberbadische Verband der größte im Bund Deutscher Volksmusikverbände, der Nachfolge­organisation des Bundes Südwestdeutscher Musikvereine. 

Der Verband wurde immer größer und war 1955 schließlich auf 142 Mitgliedsvereine ange­wachsen. Die Betreuung der einzelnen Vereine durch den Verband gestaltete sich immer schwieriger. Auf der Mitgliederversammlung 1956 in Herbolzheim wurde eine Aufteilung in drei unabhängige Verbände nahezu einstimmig beschlossen. Es entstanden der Oberbadische Volksmusikverband als Nachfolgeorgani­sation des alten Verbandes, der Or­tenauer Musikverband und der Kaiserstuhl-Tuni­bergverband. 

72 Musikvereine waren im Oberbadischen Volksmusikverband verblieben. Der neue Ab­schnitt in der Verbandsgeschichte wurde auch in der Neubesetzung des Präsidi­ums sichtbar. Zum 1. Präsidenten wurde Rechtsanwalt Straub aus Waldkirch ge­wählt. In der ersten ordentli­chen Mitgliederversammlung nach der Trennung erhielt der Oberbadische Volksmu­sikver­band zum ersten Mal den Zusatz „Breisgau“. 

In der Hauptversammlung am 21.3.1965 in Kenzingen begann die lange und für den Verband erfolgreiche Ära Faller. Eugen Faller aus Teningen legte nach seiner Wahl zum Verbandspräsidenten seine Absich­ten für die Zukunft dar: Inten­sivie­rung der Jugendarbeit und Effizienz in der Führung des Verbandes. Sein Leitwort, das immer wieder in seinen Ansprachen anklang, war: „Miteinander, füreinander - aber niemals gegeneinander“. 

Ab 1965 fand nur noch eine Hauptversammlung im Jahr statt. Statt der Herbstver­sammlung wurden in den 7 Bezirken Bezirksversammlungen abgehalten. Damit konnte auf die Belange der einzelnen Vereine besser eingegangen werden. Die Be­zirksobmänner wurden nicht mehr in den Hauptversammlungen gewählt, sondern jeder Bezirk wählte sich seinen Obmann. 

Die konsequente Jugendarbeit und Durchführung von Lehrgängen kamen verstärkt den Vereinen zugute. Die Mitgliedszahlen stiegen kontinuier­lich an. Gleichzeitig sank das Durchschnittsalter der Kapellen immer mehr. Mit den vielen vorzüglich ausgebildeten Jugendlichen wurde zugleich das Funda­ment geschaffen, um die anspruchsvolle und neue originale Blasmusik spielen zu können. Viele Erfolge bei Wer­tungsspielen innerhalb des Verbandes und Bundes, aber auch bei internationalen Treffen und nicht zuletzt bei den Jungbläserwettbe­werben zeigen dies deutlich. 

Präsident Eugen Faller wurde 1965 in Kenzingen in sein Amt eingeführt. In Kenzin­gen endete 1989 auch seine Amtszeit. Dort erfüllte sich auch sein sehnlichster Wunsch. Es spielte das 1988 gegründete Verbandsjugendorchester unter der Leitung von MD Rinklin. Für Faller war dies der deutliche Beweis dafür, dass seine Bemühung, die Jugend in die Blasmusik zu integrieren, erfolgreich war. Für seine Verdienste wurde Faller zum Ehrenpräsidenten ernannt. 

Der Wechsel in der Verbandsführung war sorgfältig vorbereitet und ging deshalb harmonisch vonstatten. Zum Nachfolger Fallers wurde einstimmig Karl Heinz Beck, Bürgermeister aus Vörstetten, gewählt. Ihm und seinem inzwischen verjüngten Präsidium kam die ehrenvolle Aufgabe zu, die Jubiläumsfeierlichkeiten zum 100jährigen Bestehen des Verbandes vorzubereiten und durchzuführen. Unter dem Motto „Der Tradition verpflichtet, der Zukunft zugewandt“ wurde das Jubiläum 1992 in Emmendingen mit einem Wertungs- und Kritikspiel verbunden. Höhepunkt war ein eindrucksvoller Gesamtchor auf dem Emmendinger Rathausplatz. 

Das Verbandsjugendblasorchester wurde von Bernhard Winter als Dirigent übernommen. Der 1985 im Freiburger Audimax verliehene Regio-Kulturpreis und der erste Preis beim Internationalen Wettbewerb 1996 in Straßburg in der höchsten Schwierigkeitsstufe zeugen von nationalen und internationalen Erfolgen dieses Auswahlorchesters. 

Das verstärkte Engagement des Verbandes im musikalischen Bereich musste auf weitere Schultern verteilt werden. Dem Verbandsdirigenten und Verbandsjugendleiter wurde jeweils ein Stellvertreter zur Seite gestellt.

Die Umbenennung von „Bezirksobmann“ in „Bezirksvorsitzende/r“ war sinnvoll, da 1992 zum ersten Mal in der Geschichte des Verbandes eine Frau Einzug ins Präsidium fand.
 
Karl Heinz Beck leitete den Oberbadischen Blasmusikverband 12 Jahre lang. Seit 2001 steht Dr. Harald Bobeth dem Verband als Präsident vor. 2002 wurde das Verbandsorchester, das inzwischen für alle Altersstufen geöffnet wurde, in Sinfonisches Blasorchester Freiburg umbenannt. Im gleichen Jahr übernahm Jürgen Burmeister die Leitung des Orchesters und führte es mit beeindruckenden Konzerten zu neuen Erfolgen.